Food not bombs

Food Not Bombs Bochum versteht sich als autonomer Teil der weltweiten Food Not Bombs-Bewegung. “Food Not Bombs”, auch “FNB” abgekürzt, entstand in den achtziger Jahren in den USA als Teil der dortigen Anti-Atomkraft-, Antimilitarismus-und Friedensbewegungen, daher der Name Food Not Bombs - Essen statt Bomben.
In den letzten 25 Jahren ist allerdings viel passiert und so sind einige der Standpunkte, die ursprünglich Konsens aller FNB-Gruppen waren,für uns nicht tragbar. Unser Verständnis von friedensbefürwortender Politik besteht beispielsweise nicht darin, sich mit einerFriedensbewegung zu solidarisieren, deren unreflektierter Pazifismus dazu führt, diktatorische Regime wie die Hussein-Diktatur im Irak zu unterstützen oder in Bezug auf den Nahost-Konflikt grundsätzlich um jeden Preis einen souveränen palästinensischen Staat zu fordern. Derartige Positionen lehnen wir ab.
Food Not Bombs Bochum ist, auch wenn die gewählte Aktionsform meist das Verteilen von kostenloser Nahrung ist, keine Kochgruppe oder “Volxküche”.
Food Not Bombs Bochum ist bemüht, eine hierarchiefreie Gruppe zu sein, die theoretisch den Kapitalismus kritisiert und die vielen mit ihm verwobenen oder aus ihm resultierenden Unterdrückungsformen weitestgehend vermeidet. Dabei beschränkt sich Food Not Bombs nicht darauf, Auswirkungen zu kritisieren sondern übt radikale Kritik an dem System an sich.
Das zentrale Moment bei Food Not Bombs ist Nahrung, auf Nahrung bezogen wird versucht, die Kritik praktisch zu verwirklichen.

Nach Informationen der UN-Welternährungsorganisation werden jährlich rund zwei Milliarden Tonnen Getreide produziert. Damit könnte der Energieumsatz von durchschnittlich 2500 Kilokalorien für jeden der ca. 6,2 Milliarden Menschen auf der Erde mehr als gedeckt werden. Es wird jedoch nicht versucht, mit diesen Mitteln allen Menschen ein Leben ohne Hunger zu ermöglichen. Über 1 Milliarde Menschen leben in Hunger, jeden Tag sterben ca. 100000 Menschen an den Folgen von Unterernährung [mehr als 36 Millionen im Jahr, Tendenz steigend]. Menschen, die sich keine Nahrung leisten können, bekommen auch keine. Hergestellte Güter, die auf Grund von Überproduktion nicht verkauft werden können, werden nicht a Bedürftige abgegeben, sondern meist vernichtet. Jährlich werden Getreidesilos in Brand gesteckt, Butterberge ins Meer geschüttet und Obstbestände von Planierraupen vernichtet. Dieser Wahnsinn lässt keinen Zweifel daran, dass nicht der Mensch im Mittelpunkt der heutigen Produktion von Gebrauchsgütern steht.

Food Not Bombs Bochum verteilt grundsätzlich umsonst Nahrung an Alle, um das anarchistische Prinzip der gegenseitigen Hilfe als Gegenmodell zum momentanen System zu erproben.

Die heutige Gesellschaft ist so beschaffen, dass alle Wesen, Dinge und Dienstleistungen einem bestimmten Warenwert entsprechen. Nicht nur, dass Menschen im allgemeinen allen Eigenschaften eine potentielle Möglichkeit der Vermarktung zurechnen und so konkrete wie abstrakte Eigenschaften in “Geld” umrechnen können, auch scheinen uns Tauschgeschäfte, in denen wir ohne Geld handeln, nur dann gerecht zu sein, wenn wir unmittelbar etwas gleichwertiges zurückbekommen.
Wir sind alle mit diesen Denkmustern sozialisiert worden und es ist, trotz des Bewusstseins dieser Prägungen, sehr schwierig, das Gerechtigkeitsempfinden an anderen Maßstäben auszurichten. Allein das unentgeltliche Verteilen von Gütern ist nicht in jedem Fall revolutionär und der Grund dafür unterscheidet sich nicht zwingend von dem Grund, aus dem gehandelt wird, nämlich um Profite zu erwirtschaften. Werbegeschenke sollen nicht die Wirtschaft kritisieren [oder sogar das System an sich].
Wir glauben aber, dass in unserem Fall das unentgeltliche Verteilen von Nahrung ein Schritt in die “richtige” Richtung ist. Wir sind weder direkt noch indirekt daran interessiert, unser Handeln entlohnt zu bekommen und erst recht nicht daran, einen Mehrwert zu erzielen. Wir wollen auch nicht als wohltätige Helden in die Medien kommen, wir wollen in erster Linie zeigen, dass in der gesellschaftlichen Ökonomie so ziemlich alles falsch läuft [und selbstredend nicht nur da], politische Kämpfe unterstützen und bedürftigen Menschen, selbstverständlich ohne einen Nachweis ihrer Bedürftigkeit zu verlangen, die Möglichkeit geben, regelmäßig gesundes Essen zu sich zu nehmen.
Verarbeitet werden nur pflanzliche Produkte, die fast ausnahmslos von größten Teilen der Gesellschaft hier als Abfall bezeichnet werden und deshalb von uns an Marktständen oder bei Großhändlern abgeholt werden.

Food Not Bombs Bochum bereitet aus zwei Gründen ausschließlich vegane Gerichte zu: Erstens hat die Gruppe den Anspruch, möglichst für alle Menschen zu kochen, also auch für solche, die sich für eine vegetarische oder vegane Lebensweise entschieden haben.
Zweitens beschränkt sich die Kritik an allen Formen von Herrschaft für Food Not Bombs Bochum nicht nur auf Herrschaft von Menschen über Menschen sondern bezieht auch die Herrschaft von Menschen über andere Lebewesen, die Leid empfinden können, mit ein.
Food Not Bombs Bochum existiert seit dem Ende des Jahres 2003 und ist eine geschlossene Gruppe. Interessierte werden aber auf jeden Fall Gelegenheiten haben, die Menschen kennen zu lernen.
Food Not Bombs Bochum ist Teil der radikalen herrschafts- und kapitalismus-kritischen Bewegung. Wir beteiligen uns an Aktionen und unterstützen politische Kämpfe, deren emanzipatorischen Anspruch wir teilen.

[Stand: Juli 2005]