Archiv - 'Der_notstand'
Salecina - Von der Weltrevolution zur Alpenpension?
1971 gründete der Zürcher Sozialist und Buchhändler Theo Pinkus zusammen mit seiner Frau Amalie Pinkus-de Sassi auf dem Malojapass das Begegnungszentrum Salecina. Es wurde zum soziokulturellen, politischen Mekka der linken Intelligenzia mit Gästen wie Max Frisch oder Herbert Marcuse.
Der Film gibt Einblicke in das vom Establishment scharf beobachtete „widerständische Nest“, das sogar in der Nähe terroristischen Gedankenguts gerückt wurde. Zitate von Gründungsmitgliedern spiegeln die Ursprungszeit. Gespräche mit zeitgenössischen Salecina-Aktivisten schlagen den Bogen zur Gegenwart.
Weitere Informationen zum Ferien- und Bildungszentrum Sialencina findet Ihr hier.
Ab 19 Ubr öffnet der Buch- & Infoladen ‘der_notstand’ und präsentiert sein Angebot an politischen Zeitschriften, Zeitungen und Büchern.
Ab 20 Uhr öffnet die EntflammBAR für euch.
Vorstellung der Zeitschrift Testcard
Popkultur, das war lange Zeit Rebellion gegen alles Bürgerliche – Rebellion lebte im und aus dem Überfluss. Junge und schöne Menschen führten vor, dass Leben intensiver, cooler, freier und glamouröser sein kann! Wer dabei zu Tode kam, starb als jugendlicher Märtyrer im Dienste des Vitalismus. »Live fast, die young«, wer dieses Ziel verfehlte, kaufte sich dann eben später doch eine Villa nebst Treppenaufgang für die Platinschallplatten. Sicher war es früher nicht nur so, und sicher ist es heute nicht nur anders. Aber das Klima seit dem ›Golden Age of Pop‹ hat sich kulturell, sozial und ökonomisch fundamental verändert. Damit ist ein Pop-Tabu berührt. Denn Teil der Geschäftsgrundlage von Pop war es, die Frage nach der eigenen Lebensgrundlage immer als Nebenwiderspruch zu behandeln. Letztendlich sollte sie sich von selber regeln: durch wirtschaftlichen Erfolg, solidarische Netzwerke oder undergroundige Bedürfnislosigkeit. Anstatt »Wofür lebst du eigentlich?« lautet die Frage »Wovon lebst du eigentlich?« Mit der Ausgabe »Überleben«, versucht sich die Redaktion der testcard an einer Analyse dieser Fragen und stellt mögliche Antworten zur Diskussion. testcard, eine Anthologie zur Popgeschichte und -theorie in deutscher Sprache, erscheint ein- bis zweimal im Jahr (Broschur, je ca. 300 Seiten mit zahlreichen Abbildungen). Artikel zu Musik, Film und zeitgenössischer Kunst kreisen in jeder Ausgabe um einen wechselnden Themenschwerpunkt.
Lesung mit Jan Ole Arps aus seinem Buch “Frühschicht: Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren”
Ergaenzt wird die Lesung des Autors Jan Ole Arps von Wolfgang Schaumberg (Gegenwehr ohne Grenzen - GoG). Er wird seinen konkreten Erfahrungen linker Praxis bei Opel Bochum und seiner Kritik an Arps` Buch aus dem von ihm verfassten Artikel “Intervention in der Arbeitswelt heute?“ einbringen.
Harry Oberlaender schrieb 1977: “Ich wusste nicht, was auf mich zukam. Aber ohne die Arbeiterklasse hatten wir keine Chance, die Welt zu veraendern, so viel war klar.“ Er hatte zuvor als revolutionaerer Aktivist bei Opel in Ruesselsheim angeheuert. Und ist damit den Weg vom ‘Studenten’ zum ‘Arbeiter’ gegangen.
Was heute kaum vorstellbar klingt, war Anfang der 1970er Jahre weit verbreitet. Einige tausend junge Linke tauschten den Seminarstuhl gegen die Werkbank, um sich mit den Arbeitern am Fliessband zu vereinen. In seinem Buch „Fruehschicht“ geht Jan Ole Arps der Geschichte dieses vergessenen politischen Experiments nach. (weiterlesen)
Alle Jahre wieder - Bücher raus beim notstand
Ende des Jahres haben sich wieder viele ältere Bücher und Bücher mit kleinen Mängeln angesammelt. Bevor die unverkauft bei uns zustauben, wollen wir sie an Lesewillige loswerden. Daher gibt es im Sozialen Zentrum ab sofort ein ganzes Regal mit Büchern und Zeitschriften, die um 50% bis 80% reduziert sind. Zu erstehen sind die am Freitag, den 23.12. in der Zeit von 18 - 23 Uhr und während der angekündigten Veranstaltungen im SZ.
Ab 20:00 Uhr EntflammBar mit dem Buchladen ‘der_notstand‘ präsentiert:
Filmabend mit Best of Videoactivism 2011 & Party mit Musik, Glühwein und Spekulatius
Hinweis*: Jedem Freitag ist die ‘entflammBar‘ ab 20:00 Uhr geoeffnet!
*in den achziger jahren, verschaffte sich das prekäre proletariat der setzerInnen in den druckerein gehör, indem sie kurze texte in druckvorlagen schmuggelten.
andere druckten und verbreiteten klandestin flugblätter, indem sie matrizen anfertigten, von denen sie kopien zogen, die von hand zu hand gereicht wurden - die höhe der auflagen waren begrenzt; die anzahl der leserinnen nicht zu zählen. wir greifen beide formen der subversion auf, knüpfen daran an und re-aktualisieren sie.
wenn es uns dringlich und legitim erscheint, fügen wir ergänzungen an und geben hinweise!
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag - die Mainzer wird geräumt
Mit diesen Worten wird Osswalt Buss am 12. November 1990 von einer Mitbewohnerin geweckt. Am Abend zuvor hatte er noch in einer Kneipe in der Straße friedlich in seinen Geburtstag hineingefeiert. Den gesetzesfreien Raum nach dem Herbst ‘89 will keiner aufgeben. Binnen weniger Monate gab es über 100 besetzte Häuser im Ostteil der Stadt. Die teilweise noch vom Krieg zerstörten Häuser gehörten niemand, die Eigentumsverhältnisse waren offen.
Die Bewohner, meist junge Menschen aus Ost und West, haben einen Sommer der Anarchie hinter sich. Zahlreiche Neonazi-Überfälle ließen die Bewohner Verteidigung üben. Kurz nach der Wiedervereinigung soll die Hausbesetzerszene zerstört werden. Zwei Tage liefern sich Polizei, Hausbesetzer und Sympathisanten eine Straßenschlacht. Die Stadt brennt. Im Umfeld demonstrieren Tausende.
“der_notstand” macht Stellenangebot:
“der_notstand ist - wie die meisten wissen - ein linkes, non-commercial Medienprojekt, dass einerseits
Bücher und Zeitschriften zum Verkauf anbietet und darüberhinaus Zeitschriften, Flugblätter und Broschüren im politischen Archiv an der RUB sammelt. Wir sind immer mal wieder auf die Mitarbeit von weiteren politisch interessierten Menschen angewiesen. So sind wir auch aktuell wieder zu wenige.
Je mehr Menschen mitmachen, je häufiger können wir im Sozialen Zentrum Öffnungszeiten und extern Bücherstände machen. Genau dafür suchen wir jetzt Leute mit Interesse an gedrucktem, linken Gedankengut. Am intensivsten suchen wir nach Aktiven, die an der Uni auf Veranstaltungen den Büchertisch aufbauen.
Falls du daran Interesse hast, laden wir dich herzlich zu unserem EinsteigerInnentreffen am kommenden Freitag ein.”
Film: Sag niemals Nie - die Räumung der Mainzer Straße
Im Rahmen des FUB-Cafés läuft der Film “Sag niemals Nie - die Räumung der Mainzer Straße” statt. Der Film dokumentiert das Leben und den Kampf von Berliner HausbesetzerInnen gegen Faschismus und staatliche Räumungsmaßnahmen im gleichnamigen Straßenzug. Die Räumung der Mainzer Straße im Bezirk Friedrichshain war eine Straßenschlacht um zwölf besetzte Häuser und gilt als einer der massivsten Polizeieinsätze Berlins in der Nachkriegszeit. Nach der “Wende” zog es viele Autonome aus der Kreuzberger Häuserszene in den Osten der Stadt. Am 29. April 1990 wurden zwölf Häuser in der Mainzer Straße besetzt. Am Morgen des 12. November wurden drei neu besetzte Häuser von der Polizei geräumt, worauf es mittags auf der Frankfurter Allee zu einer Demonstration der BewohnerInnen kam. Aufgrund errichteter Barrikaden und ausgehobener Gräben am Ende der Mainzer Straße versuchte die Polizei bis ca. 3 Uhr vergeblich in jene einzudringen und musste sich zurückziehen. Am Morgen des 14. Novembers 1990 stürmten unter Einsatz von Wasserwerfern, Hubschraubern, Tränengas und Schusswaffen etwa 4.000 Polizisten die Straße, die von mehreren hundert Autonomen mit Steinen und Molotow Cocktails zu verteidigt wurde. Der Film des “Kollektivs Mainzer Straße” geht auf die Geschichte der Hausbesetzungen im Osten Berlins nach der Maueröffnung, verschiedene Probleme des Zusammenlebens, die Verteidigung gegen faschistische Angriffe und letztlich den Kampf gegen die Räumung ein.

