Archiv - November 2010
Kleine Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie
“Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.” schrieb Bertolt Brecht im “Lob des Kommunismus” über eben diesen. An dem Vernünftig besteht sicherlich kein Zweifel, mit dem leicht ist es aber oft so eine Sache. Diese Einführung soll hier Abhilfe schaffen. Grundlegend und verständlich wird ein Überblick über die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie gegeben und unter anderem aufgezeigt, was es denn mit dem Kapital- und Warenfetisch auf sich hat und wie der Mehrwert in das G – W - G’ kommt.“
Crisis in Greece: Ursachen – Reaktionen – Perspektiven?
Die Weltwirtschaftskrise der letzten Jahre fand ihren brisantesten Ausdruck in der Staatsverschuldungskrise Griechenlands: Sie traf einen wirtschaftlich und gesellschaftlich krisenhaften Staat, führte ihn zum beinahen Staatsbankrott und zu einem 750 Milliarden schweren “Rettungsschirm” aus der E.U. Der Staat verwandelte sich innerhalb von Wochen in ein Experimentierfeld einer neuen “Schockpolitik”: Unter dem Diktat der E.U. und I.W.F. setzt die griechische Regierung auf ein enormes Sparprogramm um die “Ausquetschmaschinerie” der Bevölkerung im Gang zu setzen. Über die reelen Ursachen reden dennoch wenige: Wie hat sich die griechische Wirtschaft seit dem Eintritt in die E.U. entwickelt und was bedeutete der Beitritt in die Eurozone? Warum traf die Krise grade Griechenland? Die staatlichen Krisenmaßnahmen blieben nicht unbeantwortet. Die Krisenproteste gegen die Sparmaßnahmen der Regierung entwickelten sich im letzten Frühjahr kurzzeitig zu einer Massenbewegung. Die von den sozialdemokratisch Gewerkschaften beeinfußten Streikdemos und die zahlreichen kreativen Aktionen von Lohnabhängigen erreichten die größte Mobilisierung seit dem Ende der Militärdidaktur und eröffneten europaweit Perspektiven und Diskussionen über einen möglichen heißen Herbst. Welche Perspektiven ergaben und ergeben sich in den Auseinandersetzungen mit der Vermittlung und Legitimierung der Krisenmaßnahmen. Ist der erwartete heiße Herbst eingetroffen? Was hindert einen staatskritischen Protest? Und was sollte vielleicht für uns hier in der BRD effektive Solidarität heißen? Mike Morrelli vom Antifa AK Köln geht erstmal auf die Ursachen und die Entwicklung der Staatsverschuldungskrise Griechenlands ein. Dabei wird die spezielle Lage der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft erklärt. Dann zeichnet er die Reaktionen gegen den Sozialabbau und den Aufbruch antiautoritärer Aktionsformen in Griechenland nach und kritisiert die staatsaffirmativen und nationalistischen Positionen in der griechischen und deutschen Linken. Daraus ergibt sich eine aktuelle Einschätzung der Lage im “Krisenland” und welche mögliche Folgen und Perspektiven sich ergeben.
Weitere Informationen hier: http://kommunistischegruppebochum.blogsport.de/2010/11/11/kongress-warm-up/
Fooling Big Brother and Big Media: Anonym im Internet mit Tor
Am Donnerstag, den 11.11. findet um 19 Uhr im Sozialen Zentrum ein Vortrag und Workshop „Anonym im Internet mit Tor - Fooling Big Brother and Big Media” statt. Veranstalter sind das AStA-Referats für Grund- und Freiheitsrechte und der AK-Selbstdatenschutz. In der Ankündigung heißt es: »Unter dem Vorwand einer andauernden und allgegenwärtigen, terroristischen Bedrohung begründen die Verfechter_ innen der inneren Sicherheit immer weitergehende Maßnahmen zum Ausbau staatlicher Repressions- und Kontrollmechanismen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Maßnahmen zur Überwachung des „rechtsfreien Raums” Internet. Obwohl die so genannte Vorratsdatenspeicherung (in ihrer bisherigen Umsetzung) im März 2010 vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, ist es IT- und TK-Providern weiterhin erlaubt, Verbindungsdaten bis zu 80 Tage lang zu speichern. Bei Bedarf, d.h. richterlicher Anordnung, ist auch eine weitergehende Überwachung z.B. von politisch-sozialen Netzwerke über einen längeren Zeitraum möglich. Damit wird für staatliche Behörden ersichtlich, wer mit wem per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden oder das Internet genutzt hat. Die (oft präventive) Bespitzelung potentieller Straftäter_innen ist Teil einer Entwicklung hin zum Kontrollstaat, die es auf politischer wie technischer Ebene zu bekämpfen gilt. Wir möchten Möglichkeiten aufzeigen, die eigene Handlungsfähigkeit trotz scheinbar omnipotenter staatlicher Überwachung zu bewahren und sich dieser zumindest teilweise zu entziehen. Ein Lösungsansatz, sich anonym im Internet zu bewegen, bietet die freie Anonymisierungssoftware Tor („The Onion Router”). Der Vortrag richtet sich in erster Linie an Interessierte ohne große Vorkenntnisse, die etwa die Nutzung von WWW und E-Mail mit Hilfe von Tor anonymisieren möchten. Dabei wird weniger Wert auf technische Details, denn auf das Erlernen und Umsetzen konkreter Lösungen im Alltag gelegt. Gerne wird auch auf weiterführende Details, wie das Konzept des „Onion Routings” oder das Betreiben von „versteckten Servern” eingegangen. Für den anschließenden Workshop können eigene Computer mitgebracht werden, um Installation und Nutzung von Tor „direkt am Gerät” in die Praxis umzusetzen.«
Jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus? - Traditionen des Linkssozialismus auf dem Prüfstand
der_notstand präsentiert:
Buchvorstellung mit Christoph Jünke: Auf der Suche nach dem dritten Weg
Mit dem Neuaufgreifen vielfältiger alter Traditionen der deutschen Linken erlebt auch der Linkssozialismus eine Renaissance des Interesses. Linkssozialistische Strömungen und Traditionen zwischen und jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus werden wieder diskutiert, linkssozialistische Politiker und Vordenker früherer Zeiten (von Paul Levi und Richard Müller über Wolfgang Abendroth, Viktor Agartz bis zu Peter von Oertzen) wieder erinnert, bildungspolitisch und wissenschaftlich behandelt und neu aufgelegt. Nicht selten wird sogar die neue deutsche Linkspartei in der heutigen Publizistik als „linkssozialistische“ bezeichnet. Doch was war dieser Linkssozialismus eigentlich? In welchem Zusammenhang stand er zu den ökonomischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20.Jahrhunderts? Wie lässt er sich im Verhältnis zu anderen Strömungen der Linken bestimmen? Und sind seine Probleme und Lösungsvorschläge noch von Interesse für einen Sozialismus des 21.Jahrhunderts? Der Referent wirft einen Blick auf die Vergangenheit des deutschen Linkssozialismus, fragt nach seinen Charakteristika und zentralen programmatischen Traditionen. Und er diskutiert die Frage, was von dieser Tradition auch heute noch erinnernswert ist. Christoph Jünke, Jahrgang 1964, lebt und arbeitet als Historiker und Publizist in Bochum. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der RLS Nordrhein-Westfalen, hat für diese die Tagung zur Problemgeschichte, Programmatik und Aktualität des Linkssozialismus im Dezember 2009 organisiert und ist Herausgeber des daraus entstandenen, soeben erschienenen Buches Linkssozialismus in Deutschland. Jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus? (Hamburg: VSA 2010). Zuletzt Autor von Sozialistisches Strandgut. Leo Kofler – Leben und Werk 1907-1995 (Hamburg: VSA 2007) und Der lange Schatten des Stalinismus. Sozialismus und Demokratie gestern und heute (Köln: ISP 2007).
Merry crisis and a happy new fear
Film und Diskussion zur Dezember-Revolte in Griechenland
Über die ganze Welt verbreiteten sich die Nachrichten von den massiven Revolten in Griechenland im Dezember 2008. Der tödliche Angriff der Polizei auf einen 15-jährigen Jugendlichen in einem traditionell anarchistisch geprägten Stadtteil Athens war der Auslöser für die Aufstände in mindestens fünfzehn großen Städten. Dabei kam es zu Angriffen auf Polizeistationen, zu Attacken auf Bankfilialen, Plünderungen von Einkaufszentren und Luxusgeschäften. Hunderte Schulen und Universitäten wurden ebenso besetzt wie Rathäuser und Präfekturen, Radio- und Fernsehsender, Theater und Gewerkschaftszentralen…
«Fuck mai 68, fight now»
Obwohl die Dezember-Revolte vor dem Hintergrund zahlreicher politischer Auseinandersetzungen stattfand, ging es vielen Beteiligten nicht um Neuwahlen oder Reformen eines Systems, welches nicht zu reformieren scheint. Mit verschiedenen cineastischen Eindrücken (in engl. Untertiteln) wollen wir versuchen, ein Bild der spontanen Wut gegen Staat und Polizei zu vermitteln, die viele griechischen Jugendlichen geprägt hat. Darüber hinaus möchten wir eine Diskussion anstoßen, mit dem Ziel, durch die Aufarbeitung der Revolte des Dezembers, einen Bezug zu aktuellen Entwicklungen und Kämpfen zu finden.
Bochum goes Castor
In zwei Tagen beginnt mit der Großdemo in Dannenberg die heiße Phase der Proteste gegen den Castor-Transport nach Gorleben. Die Repression hat leider auch begonnen. Die Polizei hat das Camp der Bäuerlichen Notgemeinschaft in Gusborn verboten. Trotzdem oder gerade deswegen, rechnen die AntiAtom-Initiativen mit den stärksten Protesten seit 30 Jahren. Allein zur Demo werden weit über 30000 Menschen erwartet. Auch aus dem Ruhrgebiet fahren vermutlich mehr als 1000 Menschen. Wer noch kurz entschlossen mitfahren will. Es gibt noch einige wenige Busplätze und zahlreiche private Mitfahrangebote unter http://www.ausgestrahlt.de/mitmachen/castor-2010/anreise/mitfahrboerse.html.
Der Bus Abfahrt von Witten Hbf um 6:00 Uhr Abfahrt von Bochum Hbf um 6:15 Uhr Rückkehr am selben Tag um 19:00 Uhr oder die TeilnehmerInnen fahren mit 9er Bullis, die bis Mittwoch bleiben werden (Aber mit höherem Fahrpreis, siehe Preis in Klammern) Tickets: Normal 20 € (30 €), Ermäßigt 15€ (25 €), Solipreis 20+X € (25+X €) Verkauf: über fabian.hanneforth@gmx.net
Wer länger bleiben will Auch wenn längst sämtliche Ferienwohnungen im Wendland und auch manche der Übernachtungsplätze mancher AntiAtom-Initiative ausgebucht sind, die Camps bieten noch viel Platz und auch die Bettenbörse, die private Unterkünfte bei WendländerInnen vergibt, hat nach eigener Aussage noch zahlreiche beheizte Übernachtungsmöglichkeiten: Kontakt per mail an betten@castor2010.de oder per Telefon 05841-961502
Der Ticker: http://castorticker.de/
Alle weiteren Infos zur Demo, Aktionen und Tipps unter www.castor2010.de
Der Rätekommunismus als Theorie und Aktion
Selbstständige proletarische Kämpfe in West-und Mitteleuropa veränderten die politische Wirklichkeit der 1920er Jahre. Parlamentarisch und leninistisch partei- und staatsorientierte ArbeiterInnenorganisationen wurden zum Hindernis dieser Bewegung, die ihre Führungsriege laufend überflüssig machte. Aus diesen Kämpfen entwickelten KommunistInnen wie Anton Pannekoek und Hermann Gorter den Rätekommunismus als radikale und demokratische Strömung des Marxismus. Damit stellten sie sich in Opposition zum Parteikommunismus und zur staatstragenden Sozialdemokratie. Dies brachte den Ausschluss des Rätekommunismus aus der traditionellen proletarischen und kommunistischen Bewegung mit sich. Die Vorwürfe an rätekommunistische Richtung trafen dabei jedoch kaum den Kern des Zerwürfnisses. Lenins Schmähungen als “Kinderkrankheit im Kommunismus” und “kleinbürgerlich anarchistisch” sind exemplarisch für die zahlreichen Missverständnisse, mit denen die RätekommunistInnen zu kämpfen hatten. Weit davon entfernt, eine sich auswachsende Kinderkrankheit zu sein, ist ohne sie jedoch der moderne westliche Marxismus nicht zu denken. Was aber macht diese linksradikale Strömung zu einer besonderen unter allen anderen? Dieser Frage wollen wir in einem Vortrag mit Diskussion nachgehen. Anschließend wird ein Film über nicht-bolschewistische kommunistische Aufstände gezeigt.
Ohne Mampf kein Kampf: Der holländische Aktivist Wam Kat zu Gast in Bochum am 19. und 20.12
Am 19.12. im Sozialen Zentrum, im Anschluss an das Weihnachtsessen von
“food not bombs” und nach der Öffnungszeit des Bochumer Kostnixladens, berichtet der holländische Aktivist Wam Kat von seinen Erfahrungen mit der Antifa-Arbeit auf dem Lande am Beispiel Belzig/Brandenburg, wo er zusammen mit seiner Lebensgefährtin seit 13 Jahren ein Antifa-Infocafe betreibt.
Am Montag Abend, 20.12., liest Wam Kat an der RUB als Gründer der holländischen mobilen Aktionsküche ‘Rampenplan’ aus seinem Buch “24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung”. (weiterlesen)
Audimaxbesetzung im Exil: Freinachten 2.0
Cafe P.O.T. Weihnachts-Special
Am 22.12.2009 wurde das im Zuge des “Bildungsstreiks” über einen Monat lang besetzte Audimax der RUB durch zwei Einsatzhundertschaften geräumt, der Campus in den polizeilichen Ausnahmezustand versetzt. Dort hätte in den folgenden Tagen eigentlich ein „Freinachtsfest“ der Aktivist_innen stattfinden sollen, welches daraufhin in’s Soziale Zentrum Bochum verlegt werden musste. Genau wie im letzten Jahr wollen wir dort auch im auslaufenden 2010 einen Ort schaffen, an dem unangepasste Zeitgenoss_innen den 1. Weihnachtsfeiertag verbringen können. Alle, die dem alljährlich um sich greifenden Weihnachtstaumel vorübergehend entgehen wollen, sind am Samstag, den 25. Dezember ab 18 Uhr herzlich dazu eingeladen. Das Mitbringen veganer/vegetarischer Speisen und/oder Getränke gibt Extrapunkte.
