Archiv - April 2010
Erster Euromayday Ruhr
Mehr als ein Dutzend Bochumer Gruppen und Initiativen rufen zur Teilnahme am ersten Euromayday Ruhr am 1. Mai in Dortmund auf. In einer Mitteilung der VeranstalterInnen heißt es:
“Ab 15:00 Uhr zieht die politische Parade vom Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs aus durch die Nordstadt und endet mit einem Straßenfest ab 18 Uhr auf dem Nordmarkt.
Der Euromayday ist keine klassische Demonstration, sondern eine Perfomance mit DJs und Theateraktionen. Viele Teilnehmer/innen werden ihre Wünsche und Forderungen in Verkleidungen vortragen, eine Trommelgruppe und ein Chor haben sich als Livemusiker angekündigt. Verschiedene soziale und stadtpolitische Initiativen werden sich in Interviews vorstellen.
Der Euromayday stellt die zunehmende Prekarität im Ruhrgebiet in den Mittelpunkt und thematisiert die Selbstorganisation von Kunst-, Lebens- und Arbeitsformen.”
Organize now
Eine Einführung in die Werkzeuge des Organizing und Campaigning
„Nimm die Themen der Beschäftigten, nicht die Themen der Gewerkschaft.“ Dieser Leitsatz des Organizings lässt einiges hoffen. Doch was steckt hinter der Idee des Organizings? Welcher Werkzeuge bedienen sich OrganizerInnen, wenn sie Organizing-, Mobilisierungs- oder Druckkampagnen machen?
Organizing wird von US- Gewerkschaften schon seit längerer Zeit erfolgreich eingesetzt. Die wohl bekannteste Kampagne ist die „Justice for Janitors“ Kampagne, in der es um die Rechte von - größtenteils illegalisierten- Reinigungskräften geht. Um diese Kampagne geht es auch dem Film „Bread and Roses“ von Ken Loach. Auch hier in Deutschland ist Organizing und Campaigning seit einigen Jahren in der Diskussion. Viele reden von Organizing doch die Definitionen sind recht unterschiedlich. Für die einen ist Organizing reine Mitgliederwerbung, für andere - auch aus der radikalen Linken- eine Chance, in den Betrieben Kämpfe zu führen und Beschäftigte zu ermächtigen, selbstbewusster in betriebliche Auseinandersetzungen zu gehen.
An diesem Abend werden wir einen Einblick in die Ideen und Werkzeuge des Organizings geben. Wir berichten von einer Druckkampagne gegen den Bürgermeister von San Francisco, die wir wärend eines Organizing- Praktikums in den USA erlebt haben.
Im Anschluss wird es Zeit für Fragen und Diskussion geben.
Jenseits von antimuslimischem Rassismus und Islamismus
Die öffentliche Debatte um die Feindschaft gegenüber Muslimen in Deutschland hat seit der Auseinandersetzung um die Vergleichbarkeit zwischen Antisemitismus und Islamophobie an Intensität zugenommen. Während bis dahin in der Öffentlichkeit die Feindschaft gegenüber Muslimen entweder als Teil einer allgemeinen Xenophobie eingeordnet wurde oder sich als Teil der “Islamkritik” legitimierte, wird inzwischen nach Besonderheiten der antimuslimischen Diskurse gesucht. Dabei tauchen konkurrierende Interpretationsansätze auf. So wird etwa von “antimuslimischem Rassismus” oder “Islamophobie” gesprochen und ältere Konzepte wie etwa das des Orientalismus werden aktualisiert. Hier sollen zwei Tendenzen in der Analyse der Feindschaft gegenüber Muslimen skizziert werden um dann die Frage zu stellen, welche Ansätze sich eher für eine emanzipatorische Perspektive eignen.
Postkoloniale Analyse und Kritik orientalistischer Islam-Bilder
Die gegenwärtigen Vorurteile und Klischees über Muslime und den Islam sind nicht geschichtslos. Sie lassen sich zurückverfolgen auf koloniale Diskurse, in denen Orient-Bilder als Negativfolie konstruiert wurden, von denen sich der Westen positiv absetzen konnte. Der Orientalismus arbeitet mit Zuschreibungen wie etwa “westlich” gleich “aufgeklärt” versus “orientalisch” gleich “rückständig”. Dabei wurde der Islam ebenfalls als Teil einer rückständigen Kultur definiert und politische und ökonomische Prozesse wurden kulturalistisch umgedeutet. Zwar konzentrierte sich die Kritik am Orientalismus auf frühere geschichtliche Phasen, allerdings gibt es auch heute AutorInnen, die die antimuslimischen Diskurse der Gegenwart aus dieser Perspektive entschlüsseln. Dabei fand in den letzten Jahren eine Ausdifferenzierung und Akademisierung postkolonialer Ansätze statt. Dies führt zur einer genaueren Analyse, allerdings nicht zu einer Stärkung der politischen Kritik und Praxis. Insofern kommt es hier darauf an, eine politische Praxis zu entwickeln, die sich auf die postkolonialen Ansätze bezieht. (weiterlesen)
Bernhard Schmid - Jahre des Alarmismus
- 20 Jahre nach der Nie wieder Deutschland-Demo im Mai 1990 -
Der Zusammenbruch der DDR und des ehemaligen Ostblock, der die Vereinleibung der DDR folgte - better known as Wiedervereinigung -, waren auch für die deutsche Linke Umbruchjahre. Hinter diesen Brüchen standen verschiedene Debatten und Ereignisse. Besondere Bedeutung hatten neben der nationalen Aufladung im Rahmen der deutschen Einheit, u.a. Wahlerfolge rechtsextremer Partei (vor allem der REPs), Kritiken an nationalen Anleihen in Teilen der Friedenbewegung und die Scud-Raketen auf Israel im zweiten Irakkrieg 1991 gewesen. Mitten im Wiedervereinigungstaumel des Jahres 1990 mobilisierten am 12.Mai weite Teile der radikalen Linken zur “Nie wieder Deutschland”-Demo nach Frankfurt, an der rund 15000 Menschen teilnahmen.
Diese Demonstration und die Debatten waren Wurzeln für die spätere antinationale und antideutsche Orientierung von großen Teilen der radikalen Linken. Bis heute prägen die damals diskutierten Fragen die linken Diskussionen.
Wir nehmen 20 Jahre “Nie wieder Deutschland”-Demo zum Anlass die linken und linksradikalen Debatten und Bewegungen der Jahre 89/90/91 zu betrachten. Damit wollen wir einen Beitrag zur meist viel zu wenig diskutierten jüngeren linken Geschichte leisten und damit auch einer Mythologisierung entgegenwirken.
Wir haben dazu Bernhard Schmid eingeladen. Er ist Jurist, freier Journalist (u.a. ak, jungle world) und seit 1987 linker Aktivist. Bernhard Schmid, selber aktiver Teilnehmer der damaligen Bewegungen, beschreibt die Diskussionen und (Neu)-Organisierung der Linken sowie deren Auswirkungen bis heute.
Veranstalter: der_notstand - büchertisch & archiv
Konsumkritische StadtführerInnen
Die BUNDjugend veranstaltet 8. und 9. Mai im Sozialen Zentrum einen Workshop “Werde konsumkritischeR StadtführerIn!” In der Einladung heißt es: »Klamotten, mit denen man jedeN kriegt, Burgerfleisch, das man lieben kann, Schnäppchen, die glücklich machen… Du glaubst kein Wort? Dann werde “KonsumkritischeR StadtführerIn” für Bochum und decke die Wahrheit auf!! Über interaktive Stationen vor McDonalds, Tchibo & Co kannst Du Schulklassen und andere Gruppen mit ungewohnter Perspektive durch die Stadt führen. Globale Zusammenhänge aufzeigen, Konsummuster hinterfragen und Alternativen aufzeigen - nach unserem Workshop kannst Du selbst als KonsumkritischeR StadtführerIn aktiv werden! Unterstützt wirst Du von uns mit Materialien, Fachwissen und einer Koordinatorin vor Ort.« Näheres.
Fetter Solibrunch von food-not-bombs
Zum dritten Mal gibt es “einen fetten Solibrunch” von food-not-bombs-bochum. In der Einladung heißt es: “Diesmal geht ein Teil des Erlöses an food-not-bombs selber, um weiter und vor allem mehr Aktionen durchführen zu können. Der andere Teil ist für die Kletterwand-Gruppe im AZ-Mülheim, ein gut besuchtes Projekt, das jeden Dienstag ab 19 Uhr für alle und umsonst stattfindet. Damit das so bleibt und um die geplante Neugestaltung der Kletterwand im April [zu der alle herzlich eingeladen sind] verwirklichen zu können, ist deine tatkräftige Unterstützung erforderlich. Wie bei den letzten Malen gibt es ein veganes Buffet, unter anderem Kuchen, warme Speisen, Salate und die Kaffeebar. Los geht’s so um 11:30 Uhr. Falls du Lust hast, etwas beizusteuern, freuen wir uns über deine mitgebrachten Köstlichkeiten.”
Mobi-Veranstaltung zum Euromayday 2010 in Dortmund
Warum Euromayday? Seit einigen Jahren gibt es am 1. Mai Mayday-Paraden in vielen Städten Europas. Der Euromayday soll einen Ort schaffen, um die prekären Lebens-und Arbeitsverhältnisse zu thematisieren und Betroffene und AktivistInnen in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen zu bringen. Die Form einer lauten, bunten Tanzparade geht über die sonst üblichen Demonstrationsformen hinaus. Warum 2010? Wir finden es wichtig einen Kontrapunkt zum Wortgeklingel der Kulturhauptstadt zu setzen, die „Wandel durch Kultur“ verspricht, jedoch Kultur nur als Standortfaktor meint und Kreativität auf eine Geschäftsidee reduziert. Warum Dortmund? Dortmund hat ein nicht zu übersehendes Naziproblem. Wir wollen am 1. Mai einen deutlichen Akzent dagegen setzen, der Stadt ein anderes Gesicht geben und Solidarität leben. Zum Euromaydays entsteht ein breites Bündnis, das über die üblichen politischen Gruppen hinausgeht und auch KünstlerInnen, Theaterleuten und DJs mit einbezieht. Eine überregionale Mobilisierung soll den Euromayday groß werden lassen. Los geht es am 1.Mai um 15.00 Uhr am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofes. www.euromayday.noblogs.org anschl. wird der Film Empire St.Pauli gezeigt.


