Vortrag: Deutscher Kolonialismus
Während die meisten anderen europäischen Großmächte schon weit vor dem 19. Jahrhundert über beträchtliche koloniale Besitzungen verfügten, gab es in Deutschland nur wenig Bestrebungen, außerhalb Europas eine aggressive Expansionspolitik zu betreiben und ein Kolonialreich zu erbauen. Bis auf wenige Ausnahmen dauerte es bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts, ehe sich Deutsche anschickten, die Welt zu erobern, denn unter anderem Reichskanzler Bismarck war Zeit seines Lebens ein ausgesprochener Gegner kolonialer Abenteuer. So ploetzlich, wie die deutsche Kolonialpolitik begonnen hatte, endete sie allerdings auch wieder, denn durch den verlorenen ersten Weltkrieg musste das deutsche Reich alle Kolonien an die Siegermächte abtreten. Doch schon in den wenigen Jahren, die die Gebiete unter deutschen Administration verweilten, hatten deutsche Truppen eine blutige Spur durch das südliche Afrika gezogen.
Im Vortrag soll die Entstehung des deutschen Wunsches nach einem Kolonialreich nachgezeichnet werden. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Frage gelegt, inwiefern sich Kontinuitäten in den Denk- und Sichtweisen zwischen deutschem Imperialismus und Nationalsozialismus ziehen lassen, auch in Anbetracht der Frage, ob der Massenmord an den Herero ein Vorläufer desjenigen an den europäischen Juden war.
Der Vortrag findet im Rahmen des Cafes der KommunistischenGruppeBochum statt. Im Anschluss gibt es, wie an jedem Donnerstag im SZ, nette Getränke in angenehmer Atmosphäre.

