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Das Soziale Zentrum Bochum (SZ) ist ein nicht kommerzieller Freiraum für politische, soziale und kulturelle Initiativen, ein sozialer Treffpunkt und ein Ort für politische und kulturelle Veranstaltungen. Das SZ ist selbstverwaltet und basisdemokratisch organisiert und wird vom freiraum bochum e.V. getragen. Jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat findet um 18:30 Uhr ein offenes Plenum statt, zu dem alle im SZ aktiven Gruppen, Einzelpersonen und interessierte Mitmenschen eingeladen sind. Auf dem Plenum wird alles wesentliche für das Soziale Zentrum  diskutiert, geplant und entschieden.

+++ SZ Aktuell +++

Brandanschlag auf das Soziale Zentrum Bochum – Polizei nimmt Anzeige falsch auf – Staatsanwaltschaft stellt Verfahren nach 8 Tagen ein

Vor dem angezündeten Rolladen lag noch eine Brennstoff-Pfütze mit verkohlten Papierresten darin

In der Nacht vom 27. auf den 28.09.2017 wurde versucht, den Rollladen vor der Haupteingangstür zu unserem Lokal, dem Sozialen Zentrum Bochum, in Brand zu setzen. Am Donnerstagabend entdeckten wir dort eine Pfütze die nach Brennstoff roch, mit Resten von verkohltem Papier darin sowie eindeutige Rußspuren am Rollladen selbst. Wir können nur spekulieren wer aus welchen Gründen versucht hat einen Brand zu verursachen, werten diese Brandstiftung aber auf jeden Fall als Angriff auf unser Zentrum sowie die Nachbar*innen, die über unserem Lokal wohnen.

Nur durch die Tatsache dass sich nicht der gesamte vorhandene Brennstoff entzündet hat wurde Schlimmeres verhindert. Es war also Glück, dass den Nachbar*innen, die teilweise ihre Schlafzimmer direkt über der angezündeten Tür haben, kein körperlicher oder materieller Schaden entstanden ist.

Mit dem Sozialen Zentrum haben wir einen Ort geschaffen, an dem Menschen und Gruppen sich unkompliziert frei bewegen und organisieren können. Ob man einen offenen Kneipenabend zur Sammlung von Spenden machen, sich mit einer Gruppe aus dem Bereich der Sozialen Bewegungen treffen, politische Diskussionsveranstaltungen abhalten, eine Filmvorführung anbieten, einen Hackerspace gründen oder eine Alternative zur Konsum- und Tauschgesellschaft einrichten möchte – dies alles ist bei uns möglich und auch schon seit Jahren gelebte Praxis. Es soll ein Raum des Zusammenlebens unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung und anderen Merkmalen sein, in dem alle an Kultur, Wissen und Politik teilhaben können auch ohne über große (finanzielle) Ressourcen verfügen zu müssen. Wir sind freundschaftlich an die Nachbarschaft angebunden und bieten einen Raum außerhalb des konsumorientierten Bermudadreieckes an. Unser Konsens ist dabei immer präsent: Weder Rassismus noch Sexismus, Antisemitismus, Ableismus oder Trans- und Homophobie werden geduldet. Alle Aktiven (Gruppen) setzen sich gemeinsam dafür ein, dass diese vorurteilsbehafteten Denkmuster abgelegt werden.

Vielleicht war die Brandstiftung ein Angriff auf diese offenen, toleranten und diskriminierungsfreien Prinzipien. In Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsruckes ist dies eine nahe liegende Vermutung. Die hohen Wahlergebnisse für Parteien die rassistische Politik propagieren und durchführen, die gestiegene Anzahl an rassisitischen, antisemitischen und trans- sowie homophoben Übergriffen, die von rechten Parteien geforderte Einstellung von Gleichberechtigungsmaßnahmen – dies alles macht uns große Sorgen und das SZ wäre nicht das erste alternative Zentrum, welches aus diesen Gründen angegriffen wird. In der Vergangenheit haben Rechte uns schon angepöbelt, bedroht und die Fassade des SZs mit Hakenkreuzen angesprüht. Allerdings haben wir keinerlei Hinweise auf einen solchen Hintergrund feststellen können. Es könnte sich ebenfalls um einen “Streich” von Kindern handeln oder aber um das Werk des*der Brandstifter*in, welche*r schon seit Monaten in Bochum Hamme regelmäßig Dinge anzündet, etwa Kleidercontainer oder auch Autos.
Uns ist auch egal, welchen Hintergrund diese Brandstiftung hat – wir verurteilen die Gefährdung unserer Infrastruktur und vor allen Dingen die Gefährdung des Lebens unserer Nachbar*innen. Es ist nicht lustig, nicht mutig und erst recht keine politische Aussage, einen Brand an einem Wohnhaus zu legen.

Als letztes sei noch gesagt, dass wir – wie auch so viele andere Zentren, Geflüchtetenwohnheime oder Opfer rassistisch, homo- oder transphob motivierter Gewalt – keine Hilfe von der Polizei erwarten konnten. Die Brandstiftung wurde unsererseits sofort nach Entdecken angezeigt. Die Beamten zeigten jedoch kein Interesse, haben keine Spuren genommen und letztendlich nicht einmal richtig Anzeige aufgenommen. Anstatt eine Brandstiftung aufzunehmen, mussten wir am nächsten Tag erfahren, dass das ganze bei der Polizei als “Sachbeschädigung durch Feuer auf Straßen, Wegen oder Plätzen” bearbeitet wurde, als habe niemand eine Eingangstür an einem bewohnten Haus angezündet, als wäre niemals auch nur ein Mensch in Gefahr gewesen. Um die Ernsthaftigkeit dieses Anschlages zu unterstreichen haben wir deshalb selbst gemachte Fotos bei der Polizei eingereicht, da die Polizisten vor Ort “keine funktionierende Kamera dabei hatten”. Doch die Staatsanwaltschaft Bochum schloss sich der ignoranten Vorgehensweise an und sendete den Einstellungsbescheid schon nach erstaunlichen 8 Werktagen an die Anzeigestellerin, ohne Rückfragen zu der offensichtlichen Diskrepanz zwischen der aufgenommenen Anzeige und den Beweisfotos zu stellen. Eine Aufklärung der Tat oder gar eine Stellung des*der Täter*innen haben wir eh nicht erwartet. Dass allerdings auch nur der Anfang einer Ermittlung weder seitens der Streifenpolizisten, noch der bearbeitenden KriPo-Beamten, noch der Staatsanwaltschaft als notwendig erachtet wird, erstaunt uns schon sehr. Wie gesagt, es geht hier um einen vorsätzlich gelegten Brand an einem Wohnhaus. Wir müssen mit dieser Stellungnahme daher auch eine Erklärung der Staatsanwaltschaft Bochum und der Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier zu den Nicht-Ermittlungen einfordern.

Das Plenum des Sozialen Zentrums Bochum

Demnächst ...

Vorführung des Films „Ende der Vertretung“ am 27.10.2017

Freitag, 27. Oktober 2017, 18:30 Uhr

Am Beispiel eines Streiks im Einzelhandel sucht der Film nach Antworten auf die Frage, weshalb die Beschäftigten und ihre systemkonformen Organisationen, insbesondere die Gewerkschaft ver.di, nicht in der Lage sind sich gegen die Arbeitgeber durchzusetzen. Er erkundet das Engagement der Arbeitenden im Streik und analysiert das Vorgehen der Streikleitung und die Rolle der Betriebsräte. Beschrieben werden auch die Interventionen linker Gruppen an der Seite der Streikenden.

Entgegen der Haltung der bürgerlichen Gewerkschaften können auch systemimmanente soziale Kämpfe Ausgangspunkt für eine fundamentale Kritik sein. Hierbei kommt es aber darauf an, über den bloßen Konformismus hinaus, Forderungen und Veränderungen aus den Bedürfnissen der Arbeiter und Arbeiterinnen abzuleiten und nicht als Beitrag zum besseren Funktionieren des Systems anzubieten.

Die Situation der Beschäftigten im Einzelhandel hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Während die Arbeitsbelastung immer näher an die Grenze des körperlich erträglichen geht, bleiben die Löhne immer weiter hinter den steigenden Lebenshaltungskosten zurück. Und das während die Gewinne der Unternehmen kontinuierlich ansteigen: zwischen 2000 und 2006 um 64,3%. Als die Arbeitgeber Ende 2006 die Zuschläge für Spät- und Nachtarbeit kürzen wollten, hatten sie im Empfinden vieler Beschäftigter eine Grenze überschritten: Die längste und härteste Tarifauseinandersetzung im deutschen Einzelhandel begann.

Der Film begleitet die Streikenden über mehrere Monate. Zu Wort kommen Frauen, die seit Jahrzehnten im Einzelhandel arbeiten. Viele streiken zum ersten mal in ihrem Leben. Oft sind sie allein erziehend, in Teilzeit und mit so wenig Lohn, dass sie sich ihr Essen „bei der Familie zusammensuchen“ müssen. Manchen wird ihr Engagement im Streik zum Verhängnis, Emmely zum Beispiel.
Nachdem sie in ihrer Kaiser’s Filiale den Streik organisiert hat, wird ihr unter einem Vorwand fristlos gekündigt. Als sie auf Wiedereinstellung klagt bekommt sie die ganze Wucht des deutschen Arbeitsrechts zu spüren.

Im Anschluss an den Film wird es die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion geben.

Freie Arbeiter und Arbeiterinnen Union Duisburg/Ruhrgebiet – Sektion östliches Ruhrgebiet in Zusammenarbeit mit dem freiraum e.V. und dem SchwarzRotenTresen

Die Kulturfabrik Bochum präsentiert:

DISRUPT! – Gegen die totale Erfassung

Donnerstag, 2. November 2017, 19:00 Uhr

DISRUPT! beschreibt die Versuche, das menschliche Dasein den Anforderungen einer reduktionistischen künstlichen Intelligenz zu unterwerfen. Der Anpassungsdruck des Menschen an die Maschine wirkt bereits jetzt – weit vor einer vollständigen Vernetzung aller mit allem.
Das Redaktionskollektiv çapulcu dechiffriert diese – oft unhinterfragte – Entwicklung als Angriff auf unsere Autonomie und analysiert seine entsolidarisierende Wirkung. Denn Technologie ist nie neutral, sondern immanent politisch.

Ein Gegenangriff auf die Praxis und die Ideologie der totalen Erfassung erscheint zwingend notwendig. Die Autor*innen plädieren für die Wiederbelebung einer praktischen Technologiekritik zwischen Verweigerung und widerständiger Aneignung spezifischer Techniken.

Themen werden sein:

  • Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen im JETZT
  • Smartification unseres Lebens
  • On-Demand-Okönomie
  • Erfassung Bewertung Lenkung
  • praktischer Widerstand: Sabotage und Hacking
  • Konkretes Projekt: Amazon (siehe dazu blackfriday.blackblogs.org)

Die aktuelle Broschüre findet ihr auf capulcu.blackblogs.org

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem freiraum e.V. Bochum.